Aug01

29. Philocafe: Freundschaft als Illusion

Posted by Nils Adolph on 01.08.10  ~  Posted in: Philo- Cafe, Reflektion

Meine ehrenwerten Leser und Leserinnen, das 29. Philosophische Cafe zum Thema: „Freundschaft und Vertrauen“ hat mir wieder einmal vor Augen geführt, wie illusionär doch allzu oft meine Freundschaften sind. Zwar meine ich einen Gegenüber ganz in meinem Sinne zu antizipieren und damit den Kern der Freundschaft zu treffen, den der gefragte Michel de Montagne wie folgt formuliert hat: „Weil Du Du bist weil ich ich bin.“ In Wirklichkeit aber komm ich all zu oft in Freundschaftsverhältnissen gerade mal mit mir selbst überein und das noch nicht einmal immer.

Als Beispiel kann mein Verhältnis zu einem gerühmten und machtvollen Mann dienen. Dem Glauben an das Geschenk unserer gegenseitigen Freundschaft verfallen, war ich einseitig von ihm abhängig. Meine persönlichen Ansprachen, mein Engagement und meine Gedanken vielen bei ihm jedoch keineswegs auf fruchtbaren Boden, wie ich fälschlicher weise annahm. Stattdessen stellte ich in seinen Augen sicherlich etwas dar, dem er wenn schon nicht mit Abscheu, so doch mit tiefer Ablehnung gegenüber stand. Denn wie ich nach Beendigung unseres Verhältnisses einsehen konnte, war ich bis dorthin jener Clown der gibt, weil er Scheisse kriegt und annimmt es sei Gold.

Kurz gefasst kann das illusionäre an der Freundschaft in nazistischem Hecheln nach einem Ideal bestehen, das seinerseits nicht jenes sich ewig verschiebend- entziehende, transzendente Leitideal ist, dem nachzustreben Glück und Zufriedenheit verspricht. Gelungene Freundschaft hingegen besteht darin dass man den anderen kennt, weil man sich selber gut kennt und nicht weil man vielleicht von Ängsten getrieben irgendwelchen Idealen hinterher rennt.

kind
Quelle: Martin Horsky am 28.2.2010

Ich stelle diese Gedanken der Zusammenfassung des Philocafes vorweg, weil natürlich wie immer viel zu viele verschiedene Positionen und Gedankenschleifen an- und besprochen wurden, als dass diese alle in diesem Blog ihren Platz finden könnten. Tatsächlich überlegte ich in den letzten Wochen ob ich nicht daraus ein Buch machen sollte. Wer sich daran ideell, materiell oder organisatorisch beteiligen möchte, sei gebeten sich bei mir zu melden. Das vielleicht wichtigste in diesem Buch will ich jedoch hier bereits vorweg nehmen. Für die Mitarbeiter bei AMICA e.V. bedeutet Freundschaft folgendes:

  • Anteilnahme
  • Solidarität
  • Gemeinsames geben
  • Freundschaftshandeln
  • Zuhören und Dialog
  • Gründe und Unterschiede nachvollziehen
  • Kennen lernen
  • Helfen und Dasein füreinander
  • Langfristig und auf Dauer Leben zeigen
  • Diese Freundschaften sind umso anspruchsvoller als sie sich über Gräben hinweg spannen die von Religionen, Krieg, Zwang und Erschrecken ausgehoben wurden.

    Vielen Dank für ihre Teilnahme an der Philocafe -Reihe: „Gutes Leben für alle!“ Schauen sie wieder vorbei wenn es heisst: „Sozialphilosophische Praxis“ und lassen sie von sich hören, wenn es was zu denken gibt.