Okt17

32. Philocafe: arbeitet nicht für Geld in der Fahrradproduktion

Posted by Nils Adolph on 17.10.10  ~  Posted in: Philo- Cafe, Reflektion

"Jeder bei den Radgebern soll so sein, wie er ist!" sagt Ally in den einleitenden Sätzen zum Philocafe bei den Radgebern. Ja genau, denke ich mir, so soll das beim Philocafe auch sein. Nur habe ich spätestens beim 25.Philocafe zum Prinzip Hoffnung feststellen müssen, das das nicht immer geht. Konsequent die Frage an Ally aus dem Plenum: "Wie ist denn der Mensch?"

Diese Frage hat uns mehr oder weniger vom Anfang bis zum Ende des Cafes in vielen Versionen begleitet. Einige wünschenswerte Eigenschaften der Menschen bei den Radgebern sind dabei zum Vorschein gekommen:

  • sie sind von sich aus gerne tätig
  • sie sind keine Rassisten, Sexisten oder Autofahrer
  • sie arbeiten nicht für Geld
  • sie orientieren sich am Bedürfnis und nicht am Leistungsprinzip
  • sie sind alle irgendwie nette!
  • Insgesamt ein Arbeitsklima, das mich an eine gut funktionierende WG oder einen Freundschaftkreis erinnert. Sehr beneidenswert, meine ich! Aber ich bin auch ein Verzichttyp der gerne mal im Kloster lebte. :D

    Allerdings hat die gute Zusammenarbeit bei den Radgebern auch ihre Grenzen. Die Radgeber sind nämlich keine Therapeutische Einrichtung, auch wenn sie bei der kommenden Klausur über eine solidarische Versicherung von Krankheiten nachdenken wollen. Warum sollten nicht meine Arbeitskollegen für meinen Zahnersatz aufkommen, der über die Regelleistung der Krankenkassen hinaus geht?

    Ebenso spannende Fragen ergeben sich aus dem Wirkverhältnis der Radgeber nach außen. In Zeiten, in denen Resignation, Gelassenheit und Zynismus zum Standardrepertoire gehören, heben die Radgeber sich als positive Randerscheinunghervor. Sie demonstrierten Innovation, Flexibilität und Kreativität. Auch wenn Ally selbstkritisch eingesteht "selbst mal mehr mal weniger ein Blick auf das Problem zu haben."

    Dies aber immerhin seit 17 Jahren und als Mitglied des Verbunds selbstverwalteter Fahrradbetriebe hoffentlich noch bis ins nächste Jahrtausend.