Dez20

Gelobe Besserung bei der Reflektion zum letzten Philocafe: "Kakao und Kammermusik"

Posted by Nils Adolph on 20.12.10  ~  Posted in: Philo- Cafe, Reflektion

Der Kammerton ist nicht warmherzig. Er liebt nur bestimmte, eingeengte Teile Deiner Gefühlswelt. Verunmöglicht und verbietet Dir ander. Nimmt Dir beispielsweise die Neugierde und lässt Dich passiv. Macht unansehnlich was eigentlich mehr als wertvoll- überlebensnotwendig, der Krise, dem Zusammenbruch den Tränen entgegensteht. Lerne diesen nie wieder zu spielen.
kammerton

Schließe Deine Augen und schaue in Dich rein. Die Engen und Zwänge, Beklemmungen und tieffliegenden Aussichten. Ja, die Seele ist unsterblich- da hat Hamlet ganz recht. Aber dennoch ist sie nicht unverletzlich sondern ganz im Gegenteil. Sie ist ein feines, ganz und gar empfindliches und durch und durch sensibles Teil. Verfehle sie mit einem falschen Kammerton und leide. Aber gelobe Besserung im Umgang mit ihr.

Auch wenn Deine Seele weich und empfindsam, ist sie dennoch enorm kräftig. Sie zu missachten bringt die Hölle, das Fegefeuer die unfreiwilig durchwachten Nächte. Jeder äußere Einfluss wird ihr dann zur Leindwand. Eine Projektionsfläche auf der sie Dir ihre unangenehme, kranke, schmerzhafte, beängstigende und verängstigte Gegenwart aufzeigt. Sie lässt Dich Dir selbst als ein Nichts fühlen und wahrnehmen. Mangelnde Selbstwertschätzung und Überfluss an Scham und Schrecken.

Sie an das fast omnipräsente Gift eines falschen Kammertons zu gewöhnen missachtet sie und tut ihr Gewalt an. Ihr das Gift alltäglich einzuflößen, hat nicht nur ihr Abstumfung zur Folge sondern wird sie auch davon abhängig machen. (90%! aller Musikaufführungen werden mit dem international genormten Kammerton statt, obwohl internationale Stars wie Domingo, Montserrat Caballe u. v. a. 1988 eine Petition zur Änderung unterschrieben haben!) Denn der falsche Ton gehört in die Reihe jener Substanzen und Monaden, Existenzen und Dinge, die fein zu Differenzieren die Aufgabe einer jeden lernfähigen Psyche ist. Er ist zu erkennen und daher ist ihm nicht auszuweichen, aber er ist zu urteilen und er ist gegebenenfalls Konsequent aus dem Weg zu räumen.

Erinnere Dich dem zarten Glück, dass Du in Deiner Kindheit und Jugend erahnt hast. In dem ein zarter Trieb und Versuch bestand die Harmonie zur Blüte zu führen. Lieb zu allen Stimmen in Deinem Hirn zu sein. Die Widersprüche noch nicht realisierend, ihnen noch nicht ausgesetzt. Sie nicht missachtend sondern sich fein davor bewahren.

Die Geltung dieses Glücks liegen in Dir selbst, die Legtimation dafür kann entsprechend nur aus Dir selber kommen.