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Zusammenfassende Reflektion des 4. Philocafes Thema: Heimat

Posted by Nils Adolph on 09/15/08  ~  Posted in: Philo- Cafe, Reflektion

Das 4. Philocafe begann mit einer kurzen Vorstellungsrunde, bei der den zwölf Teilnehmern schnell klar wurde, dass keine der Anwesenden den gleichen Geburtsort miteinander teilten. Bereits in der Vorstellungsrunde wurden Vorstellungen davon angedeutet was Heimat für die einzelnen bedeuten könnte.

Nach einen befremdenden Kurzreferat zur Paradoxie der Fremderfahrung, die Husserl als die „Zugänglichkeit des original Unzugänglichen“ (Hua, Bd.1, S.144) beschreibt, startete eine erste Diskussionsrunde zum Thema „soziale Fremdheit“. Dabei wurde eine Dialektik beschrieben, die auf der einen Seite von Desintegration, Ablehnung und Angst geprägt ist, und der auf der anderen Seite homogene Gruppen, Heimatverteidigung und Hass entgegenstehen. Im Laufe dieser Dialektik könne das eigene durch die Konturierung dessen was es nicht ist, also durch eine Besinnung auf das Fremde, klarer hervor treten.
Nach einer philosophischen Rückbesinnung auf die Unbekanntheit dessen was man als Fremd bezeichnet.

Nach dieser ersten Diskussionsrunde wurde ein weiteres kleines Inputreferat gegeben, das die Differenzierung zwischen fremden Personen und fremden Kulturen postulierte (-> siehe Handout vom 19.3.08). Der neuen Differenzierung entsprechend vertiefte sich die Diskussion. Folgende, in der Diskussion auftauchende Gegensatzpaare lassen sich festhalten:

Heimatsursachen - Femdheitsursachen
Landschaft - Unbekannte Landschaft
Gemeinsame Erfahrungen - Ohne Erfahrungen
Mutter - Fremde Mutter
obtruierte Verhaltensweisen - Unverständnis

Vermittelnde Elemente seien eine bestimmte »(Kultur-) Gewohnheit«, das »Verstehen« und das »Akzeptieren«. Die Frage nach der Anpassung an das Fremde wurde als eine Frage des Verständnisses und Lernens beantwortet. Einige Argumente machten eine solche Weisheit gegen die Resignation stark. Für die Überwindung der Fremdheit auf Länderebene, also der Aufhebung von Ländergrenzen (z.B. zwischen Bayern, Friesen und Sachsen) allerdings, wurde kein Argument gesprochen. Hier seien Angst, Minderwertigkeit und die Reaktion zu stark. Sprachgrenzen hingegen, seien fließend. Auch die kulturelle Unterscheidung zwischen Kontinent, Nation, Region, Lokales und Individuelles sei gestaltbar. Die Ausgrenzung des Fremden hingegen sei unüberwindlich, weil das Fremde als das nichtzugehörige definiert sei. Es ließen sich jedoch in der Praxis di Gemeinsamkeiten betonen. Dazu sei jedoch eine bestimmte initiative Haltung, ein Öffnen, ein aufeinander zugehen, eine beiderseitige Bereitschaft vonnöten. Heimatbewusstsein habe in diesem Sinne nichts mit Engstirnigkeit, sondern mit der aktiven heimisch werden, dem Verstehen, (er-)kennen zu tun. Ohne diese Aktivität bleibe man auch in der Fremde fremd.

Damit wäre die Heimat jedoch nichts Einheitliches mehr, sonder Fragmentiert. Der Fragmentcharakter der Heimat widerspreche jedoch der Bindung des Heimatbegriffs an ein geographisches Gebiet.

An diesem Punkt lässt sich die Diskussion in drei Fäden aufgliedern:

1) Diejenigen, die sich der Frage nach der Differenz von »zu Hause« und »Heimat« annahmen.

2) Diejenigen, die versuchten einen einheitlichen Heimatbegriff, etwa einer der an den Boden oder das Blut der Sippe gebunden sei, gegen etwas erlernbares zu verteidigen.

3) Und schließlich diejenigen, die nach den Ursachen und Wirkungen des Heimatgefühls forschten.

Einheit herrschte wieder als das Beispiel des Hitlerismus diskutiert wurde. Hier sei Zwang zur Bildung eines Heimatgefühls benutz worden und die Manipulation mündete schlussendlich in die »Heimatverteidigung« ein. Sehr intime biographische Erlebnisse aus dieser Zeit wurden angesprochen.

Nach einer viertelstündigen Kaffeepause wurde ein weiteres Inputreferat zur historischen Entwicklung des Heimatbegriffs gehalten (->siehe Handout)

Hiernach wurden endgültig die einzelnen Elemente der »Heimat« mit subjektiven Erinnerungen und Erfahrungen belegt. Besonders ein einzelner lyrischer Beitrag eines ansonsten stillen Teilnehmers erschütterte alle. Hier wurde Heimat zwischen Hexenhaus, Ruinen und Rehen beschrieben. Es schein als hätten alle Teilnehmer über die Auseinandersetzung mit dem Fremden ein geschärftes Bewusstsein davon erlangt, was für sei individuell Heimat bedeute.

Vielen Dank, bis zum nächsten mal,
euer Nils