Sicher ist nur…

…, dass es Sicherheit nicht gibt

Endlich mal was neues schreiben, was noch nie Dagewesenes- was innovatives. Zugleich verständlich und anspruchsvoll bleiben. Was ist ein gleich sicherer Stil im schreiben? Kommt die Sicherheit allmählich, im laufe von 10.000 Zeilen oder erst nach 10.000 Seiten? Sicher ist nur, dass der geneigten Empfänger und die Empfängerinnen eines Rundbriefs lasen: Absolute Sicherheit gibt es nicht!

Sicherheit durch Fragen

Meinem Freund F. ist es leicht möglich andere Menschen um Hilfe zu fragen. Durch eine plötzliche körperliche Einschränkung hat er seine Grenzen kennen gelernt. Mit zunehmender Erhellung seiner neue Begrenztheit kann er erkennen was über seine Grenzen hinaus geht, und das darüber hinaus gehende nachfragen. Hat er dadurch mehr Sicherheit erlangt als jemand der nicht nach Hilfe fragen kann? Kommt jemand, der nicht nach Hilfe fragt auf den Himalaya hoch?

Bedrohung im Schlaf

Ein Zweijähriger wacht früh morgens auf. Er reibt seine Äuglein. Er geht nicht davon aus, dass sich über Nacht ein rostender Metallspan in die Hornhaut seines linken Auges gebohrt hat. Fünf Stunden später, auf dem Operationstisch blickt er mutig auf ein rasiermesserscharfes und steriles Löffelchen. Wie bewusst ist mir, dass ich über Nacht einer von 2,9 Millionen Pflegefälle werden könnte?

Mit meinem zunehmendem Alter (38!), wegen viel belastender Arbeit und zeitweise ungesundem Lebensstil werde ich mit ziemlicher Sicherheit eines Tages pflegebedürftig sein. In diese Zukunft will ich aus dem Jetzt und Hier heraus mein individuelles Sicherheitskonzept geschickt haben, meine gesundheitliche Vorausplanung, meine was-auch-immer GAbe. Eine GAbe die mir Pflegling dann hilft meine enormen Verunsicherungen und Ängste zu bändigen. Eine Freiwillige, zielgerichtete und vorausschauende GAbe zu deren Zweck ich in Vergangenheit mich selbst und nahestehende Personen befragt habe. Danach gefragt: Wie denkst Du Dir, würde ich mir in der Pflegebedürftigkeit helfen lassen und glaubst Du noch an Sicherheit?

Objektive Sicherheit

Objektiv sicher sind Brandmeldeanlagen, Alarmanlagen, Videoüberwachung, Hausnotruf und Sicherheitsdienstleister. Schmerzsparender – und dafür gehen alle Menschen mit optimiertem Lustdepot – ist es an der eigenen Leistungsgrenze aufzugeben und jemanden zu fragen der sich damit auskennt. Dann entsteht Gemeinschaft, weil auf subjektiv erfahrene Sicherheit die durch autonome Leistungen zugunsten der gemeinsamen Leistung verzichtet wird. Vielleicht ist das auch ein gutes Verständnis des Ehebunds: Das deontologische „sich gegenseitig Lieben und Ehren bis, dass der Tod uns scheidet“ geht von der Einsicht in die eigene Begrenztheit aus. Frei und existentialistisch übersetzt: „Wenn ich nicht mehr weiter komme, dann bin ich wie tod und auf die Liebe und Ehrung durch anderer Hilfe angewießen.“ Auch die weniger religiösen Vertragstheoretiker betonen (z.B. Gesellschaftsverträge, Bausparverträge, Versicherungsverträge etc.), dass sie durch Abgabe von Geld einen Stein erwerben, auf den sie im Bedarfsfall bauen können. Noch besser ist wahrscheinlich, wenn sie den Stein in ihrer Sicherheitsagentur gar nicht verbauen mögen. Ich bin neugierig: Kennen Sie einen Fall in dem es ein Schaden war sie, die Sicherheitsagentur, beaufragt zu haben?