Netzwerken um Gesundheit zu fördern

Gesundheitsförderliche Netzwerke sind um Netzwerkknoten - hilfsbedürftige Akteure – herum angeordnet. Zwischen diesen Knotenpunkten und ihren Angehörigen, freiwilligen Alltagshelfern und Freunden bestehen ursprüngliche Beziehungen. Die Ur-Beziehungen werden durch künstliche Beziehungen ergänzt, d.h. durch Beziehungen zu professionellen Pflegekräften, Ärzten und technischen Hilfen etc.. Alle Netzwerkakteure wirken auf ihre Art zugunsten eines gemeinsamen Ziels: Gesundheit. Brauchen die Akteure dazu eine Koordination?

+ Alle Akteure streben nach demselben Ziel. Jedoch gehen sie dabei sehr individuelle Wege, die für das gesamte Netzwerk von hoher Relevanz sind. Deshalb muß jede Koordination ganz nah bei den Akteuren beginnen, dort wo sie es selbst für sinnvoll erachten.

+ Die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren im Netzwerk ist jederzeit wechselseitig: Akteure wirken in das Netzwerk hinein und umgekehrt erhalten sie aus dem Netzwerk neue Anregungen und Unterstützung. Dieses Hin-und-Her möchte die Netzwerkkoordination unterstützen. Sie muß dazu die gesundheitsfördernden Dimensionen aller Akteure aufgreifen, sie verstärken und für jeden Einzelnen sichtbar machen.

+ Wenn die Zusammenarbeit in Netzwerken stockt, geben negative Vorurteile anstelle Wertschätzung und Respekt den Ton an. Daher darf eine Koordination niemanden bedingungslos unterstützen. Alle Koordination muß jederzeit kritisch distanziert geschehen um gegebenenfalls den notwendigen Respekt und die Wertschätzung für einzelne Netzwerkakteure einzufordern.

Manifest Gesundheitsnetzwerken

→ Die erste und vornehmste Aufgabe einer Netzwerkkoordination ist: befragen, verstehen, nachvollziehen der Netzwerkakteure.

→ Eine weitere zentrale Aufgabe der Koordination ist: Teilhabe aller Akteure am Netzwerk fördern und sie zur autonomen Entfaltung Ihrer Fähigkeiten ermutigen.

→ Ein drittes Aufgabenfeld besteht im Übermitteln von Informationen, organisieren von technischen Hilfen, im sichern der Qualität und der Öffentlichkeitsarbeit, der passgenauen Vermittlung von Bedarfen und Angeboten.

→ Nach Abschluss der Zusammenarbeit gilt es das Geschehene zu dokumentieren, rekonstruieren und kritisch, d.h. unter Berücksichtigung von Körper, Geist und Psyche, das Geschehen zu reflektieren: achtsam, lösungsorientiert, einfühlsam und jederzeit gewaltfrei.

1. Wer sich über die Zukunft von Gesundheitsnetzwerken Gedanken macht, sollte sich zunächst über die Zielvorstellung klar werden. Wie soll das Gesundheitsnetzwerk aussehen in dem ich älter werde?
  • Jeder Mensch darf Teil eines Gesundheitsnetzwerks sein!
  • Jedes Gesundheitsnetzwerks muss offen gegenüber der Vielfalt sein!
  • Die individuellen Eigenschaften jedes Teils des Netzwerks sollen wert geschätzt werden, so dass sie die Gesundheit des Netzwerkes fördern!
  • Ein gesundes Netzwerk fördert die Mobilität aller und ist frei von Barrieren!
  • Das Gesundheitsnetzwerk befördert die Gesundheit ohne Beeinträchtigung der Mitwelt!
  • Alle ökologischen-, ökonomischen und sozialen Dimensionen des Netzwerks stehen in nachhaltigen Beziehungen!
2. Wer diese Zielvorstellungen für Gesundheitsnetzwerke teilt, muß Konsequenzen ziehen. Welches Wissen, Fähigkeiten, Methoden und vor allem Haltungen/Einstellungen sind für dieses Gesundheitsnetzwerk aufzubauen?
  • Alle professionellen und individuellen Teilnehmer des Netzes streben nach einer steilen Lernkurve in Theorie und Praxis.
  • Das Gesundheitsnetzwerk arbeitet mit vielen Methoden, beispielsweise werden durch einen Mix von themenübergreifende Vernetzungstreffen und Austausch, Veranstaltungen und Aktionen die gemeinsamen Themen, Anliegen und Aufgaben koordiniert.
  • Das Gesundheitsnetzwerk soll durch wissenschaftliche Untersuchungen, Publikationen und eine offene Wissensplattform im Internet unterstützt werden.
  • Das Gesundheitsnetzwerk soll europaweit Organisationen und Gruppen verbinden und deren Synergien und koordiniertes Auftreten durch ein gemeinsames Marketing deutlich machen.
3. Gemeinsam müssen Anliegen und Aufgaben bearbeitet werden, die über die Grenzen von Organisationen und Gruppen hinweg Anstoß für Kooperationen geben. In der folgenden, nicht abschließenden Liste sind Vorschläge für solche gemeinsamen Anliegen zusammengestellt.
  • Barrierefreiheit Nicht alle Menschen haben gleichermaßen Zugang zur einer Pflegekoordination. Oftmals trennen nicht nur Sprachbarrieren, sondern auch das Vertrauen in die Institution, kulturelle Vorurteile, psychische Hemmungen und gesundes Misstrauen von der Teilhabe am Versorgungssystem. Die Ursachen dieser Barrieren können wir nicht immer verstehen, aber wir können uns verständlich machen. Daher müssen wirim interkulturellen Raum mehrsprachig kommunizieren, beispielsweise zusammen mit den Dolmetschern des Freiburger Dolmetscherpools. Außerdem ist unsere Arbeit mithilfe eines Vielfaltsmanagements zu organisieren und die Inklusion in Freiburg zu fördern. Wir sorgen dafür, dass alle bedürftigen Menschen gut und sicher in Ihrem häuslichen Umfeld aufgehoben sind und ihren Alltag so gut wie möglich selbstständig bewältigen.
  • Ganzheitlichkeit Pflege und Hilfsleistungen finden unter sehr verschieden Bedingungen statt. Denn die handelnden Personen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Zum einen durch ihre jeweiligen Handlungsmöglichkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen. Zum anderen unterscheiden sie sich auch durch räumliche und materielle Voraussetzungen, Beziehungen zueinander etc.. Diese Vielfalt wird oft nicht wahrgenommen und die darin steckenden Potentiale werden nicht zur Entfaltung gebracht. In der Folge bleiben wichtige Ressourcen ungenutzt. Im ganzheitlichen Fallmanagement lassen sich bei der Feststellung Ihres Pflege- und Hilfsbedarfs die individuellen Unterschiede des gesamten Netzwerks berücksichtigen. Denn jeder Teil des Netzwerks verfolgt Ziele und geht Wege, die für das gesamte Netzwerk und insbesondere für den einzelnen Pflegebedürftigen von hoher Relevanz sind. Ein ganzheitliches Fallmanagement unterstützt die gesamte Vielfalt potentieller und aktueller Pflege- und Hilfsressourcen gleichermaßen, dabei entdecken wir gemeinsam verborgenen Potentiale und schärfen unsere Wahrnehmungen.